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08.12.25
CFD-Simulation: Strömungen verstehen und optimieren

Warum CFD-Simulation jetzt zum Pflichtwerkzeug wird
Produkte werden kompakter, Leistungsdichten steigen, Betriebsbedingungen variieren. Gleichzeitig wächst der Druck auf Time-to-Market und Energieeffizienz. Klassisches „Trial-and-Error“ am Prototyp ist zu langsam, zu teuer – und trifft die realen Strömungen oft nur unvollständig. CFD-Simulationen liefern schon in frühen Phasen eine belastbare Basis, um Kanäle, Gehäuse, Leitbleche, Düsen oder Kühlkonzepte zielgerichtet zu optimieren. Sie erkennen Hotspots, vermeiden Strömungsabrisse, reduzieren Druckverlust und bauen Thermik-reserven ein.
Was CFD-Simulation leistet – und was nicht
CFD bildet das Verhalten von Fluiden (Gase, Flüssigkeiten, Mehrphasen) numerisch ab. Typische Resultate sind:
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Strömungsfelder: Geschwindigkeiten, Wirbel, Grenzschichten, Turbulenz-Intensität
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Drücke und Druckverluste: lokale Peaks, Widerstände, Saug-/Staudruckzonen
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Wärmeübertragung: konvektive Kühlung/Erwärmung, Temperaturverteilungen, Wärmestromdichten
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Kräfte und Momente: z. B. Auftrieb/Widerstand, Pumpenkennlinien, Ventilator-Performance
Grenzen: Jede CFD-Simulation ist eine Modellnäherung. Qualität der Geometrie, Netze, Randbedingungen und Turbulenzmodelle entscheiden über Verlässlichkeit. Die Maxime: simpel genug, um stabil zu rechnen – präzise genug, um die Physik der Frage zu treffen.
Typische Anwendungsfelder – vom Mikrokanal bis zur Werkhalle
1
Elektronikkühlung
Luftführung, Heatsinks, Kanäle – Temperaturspitzen und Lüfterleistung optimieren.
2
Gebäudeströmung & Raumluft
Komfort, Zugfreiheit, CO₂-Abtransport, Rauch- und Entrauchungsszenarien.
3
Prozess- und Verfahrenstechnik
Mischer, Reaktoren, Filter; Verweilzeitverteilungen und Skalen der Durchmischung.
4
Automotive & Mobilität
Aerodynamik, Bremskühlung, Unterbodenströmung, HVAC im Innenraum.
5
Pumpen, Ventile, Armaturen
Kennlinien, Kavitationstendenz, Erosion.
6
Energie & HLK
Wärmetauscher, Brennkammern (reaktiv), Verdichterströmungen.
7
Elektronische, Strom beaufschlagte Komponenten
Elektrothermische Simulationen, Berücksichtigung des Joule Heatings

Der CFD-Workflow in sieben Schritten
1
Problemdefinition & Zielgrößen
Was genau soll verbessert werden? Druckverlust, Wärmeübertragung, Geräusch-indizierende Turbulenz, Partikelpfade? Definieren Sie belastbare KPIs (z. B. Δp, max. T, mittlere Geschwindigkeit, Gleichförmigkeitsgrad) und akzeptierte Grenzwerte. Ohne klare Ziele droht „bunte Bilder statt belastbarer Entscheidungen“.
2
Geometrieaufbereitung
Vereinfachen (Defeaturing), Dichtheit prüfen, symmetrische Teilräume nutzen. Kleine Spalte und unnötige Details blähen das Netz auf, ohne die Physik zu verbessern. Gleichzeitig: kritische Radien, Trennkanten und Düsengeometrien erhalten, wo sie die Strömungen dominieren.
3
Postprocessing & Interpretation
Jenseits schöner Farbplots: Integrale Kennzahlen, Linien-/Flächenschnitte, Isoflächen, Stromlinien. Analysieren Sie Engstellen und leiten Sie konkrete Designregeln ab: Wo müssen Leitbleche eingefügt werden, um die Strömung gezielt zu leiten? Welche Düse ist passend? Welche Öffnungsfläche muss es haben?
4
Validierung & Dokumentation
Messen, vergleichen, kalibrieren. Dokumentieren Sie Annahmen, Versionen, Netzdaten, Modellparameter und Abweichungen. Nur so werden die CFD-Simulationen auditfähig und reproduzierbar.
Best Practices für robuste CFD-Simulation
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Wärmeübergänge plausibilisieren: Konvektion, Strahlung, Kontaktwiderstände; Materialdaten temperaturabhängig.
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Sensitivitäten prüfen: Wie reagieren KPIs auf Toleranzen, Randbedingungen, Lastprofile?
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Team-Review: Simulation, Konstruktion, Versuch und Qualität schauen gemeinsam auf Ergebnisse – Physik vor Optik.

Von der Analyse zur Optimierung: systematisch besser werden
Sobald die Hauptverluststellen, Heißzonen oder instabilen Wirbel erkannt sind, beginnt das optimieren:
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Kanäle & Leitbleche neu proportionieren, Eckradien erhöhen, Querschnitte variieren.
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Düsen: Konvergenz-/Divergenzwinkel anpassen, Drall gezielt einsetzen.
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Wärmeübertragung: Lamellenabstand, Rippenhöhe, Flow-Bypass begrenzen; Lüfterkennlinie tunen.
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Design Space Exploration: DoE, Response Surfaces, ggf. Adjoint-Verfahren für gerichtete Gradienten (z. B. Δp-Minimierung).
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Mehrzieloptimierung: Δp senken und Gleichförmigkeit erhöhen; Temperaturspitzen reduzieren und Masse sparen.
Praxisbeispiele (schematisch)
Elektronikkühlung: Ein 1U-Gehäuse überhitzte bei Sommerlast. CFD-Simulation zeigte Bypass-Ströme an Heatsinker. Mit einem kleinen Leitblech und angepasster Lüfterposition sank die Maximaltemperatur um 9 K – Freigabe ohne zusätzlichen Lüfter.
Luftkanal in der Produktion: An einer Absaugung verursachte ein enger 90°-Knick massiven Druckverlust. Ein S-Kurven-Bogen und ein Leitblech halbierten Δp und steigerten den Volumenstrom um 18 % – ohne stärkere Gebläse.
Gebäudeströmung: In einer Halle traten Zugerscheinungen auf. Die CFD-Simulation identifizierte Kaltluft-Seen und starke Geschwindigkeitsgradienten. Düsengeometrie und Einblaswinkel wurden optimiert; Komfortkennwerte (Predicted Mean Vote) verbesserten sich in der Fläche deutlich.
Governance & Qualitätssicherung
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Nachvollziehbarkeit: Alle Annahmen (Inlet-Profile, Reibzahlen, Wärmewiderstände) versioniert dokumentieren.
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Validierung: Mindestens ein Referenzpunkt mit Messwerten; bei sicherheitskritischen Anwendungen mehrere.
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Wiederverwendung: Erfolgreiche Setups als Templates sichern – spart Zeit und erhöht Konsistenz.
Rollen & Zusammenarbeit
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Konstruktion: Änderungsmanagement, fertigungsgerechtes Design.
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CFD-Team: Modellbildung, Simulation, Ergebnisinterpretation.
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Versuch/Prüfung: Messplanung, Kalibrierung, Grenzwert-Checks.
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Qualität/Compliance: Dokumentation, Normen, Auditfähigkeit.
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Produktmanagement: Zielgrößen, Trade-offs, wirtschaftliche Bewertung.
Fazit: CFD-Simulationen machen Strömungen beherrschbar
Mit einer sauberen Methodik übersetzen Sie komplexe Strömungen in klare Entscheidungen – und können früh optimieren. Ob Elektronikkühlung, Luftführung, Pumpenauslegung oder Raumluft: CFD-Simulation senkt Δp, glättet Temperaturspitzen, stabilisiert Prozesse und spart Energie. Der Schlüssel ist ein diszipliniert aufgebauter Workflow aus Zieldefinition, Netzqualität, passender Physik, Validierung und kontinuierlicher Verbesserung. So wird aus Farbplot-Ästhetik ein belastbarer Wettbewerbsvorteil.
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